Journalismus: Anspruch und Wirklichkeit
Die Journalisten der etablierten Medien blicken mit einer gewissen Verachtung auf Blogger und das Web. Die Print-Zeitung sehen sie nach wie vor als Leitmedium, bemängeln in Blogs die journalistische Qualität und zweifeln an deren Glaubwürdigkeit.
Schade nur, dass die Online-Ausgaben der Print-Zeitungen und Nachrichten-Magazine beständig beweisen, dass Sie schlecht recherchieren und die Quellenangabe ignorieren. Dabei ist beides das A und O des journalistischen Handwerks.
Ein besonders krasses Beispiel ist mir heute auf sueddeutsche.de über den Weg gelaufen. Unter dem Titel „Breite Spur für Jäger und Sammler“ lamentiert das bayerische Leitmedium der Oberstudienräte, Soziologen und sonstiger Hochkultur-Liebhaber über etwas ganz neues: Cookies! Sorry, für wen das im Jahre 19 nach Erfindung des World Wide Web noch neu ist, telefoniert wahrscheinlich immer noch mit Wählscheibentelefonen.
Gut, kann ja mal passieren. Die Süddeutsche hat vermutlich auch längst die Dokumentationsabteilung und Schlussredaktion eingedampft. So rutscht dann so etwas halt mal durch. Was mich aber wirklich ärgert ist, dass da irgend etwas in den Raum geworfen und keine Quelle dazu genannt wird, geschweige denn dass ein Link darauf gesetzt wird:
Zudem testet die Suchmaschine eine neue Art von Cookie. Dieser identifiziert den Nutzer webseite-übergreifend. Mit ihm könnte auch ein in Deutschland ansässiger Online-Buchhändler herausfinden, was der Kunde bei der amerikanischen Konkurrenz gekauft hat.
Woher stammt diese Information? Sorry, aber jeder halbwegs anständige Blogger – und die können durchaus auch Journalisten sein – hätte hier entweder einen Link zur Quelle gesetzt oder er hätte gesagt woher er die Information hat. Schon aus dem Grund, weil sich Blogger gerne durch das Setzen von Links vernetzen.
Ok, hier also das Rätsel. Welche Aussagen treffen zu, Mehrfachnennungen möglich:
- Die Sueddeutsche recherchiert schlampig und gibt unbewiesene Behauptungen von sich.
- Die Verlagsleitung verbietet das Setzen von Links, es könnte ja dazu führen, dass der Leser die Sueddeutsche.de verlässt, was eine von 14.669.958 PIs (IVW, März 2008) kosten könnte.
- Das Sueddeutsche.de-Redaktionssystem erlaubt aus technischen Gründen keine Verlinkung oder macht sie so kompliziert, dass es die Online-Redakteure einfach bleiben lassen.
PS: Wenn die Süddeutsche Cookies für solch eine Bedrohung hält, wie wäre es mit einem Hinweis für ihre Leser darauf, wie man gesetzte Cookies im Browser löscht (in Safari: Einstellungen/Sicherheit/Cookies anzeigen/entfernen), beziehungsweise das Setzen von Cookies erlaubt und verbietet (in Safari: Einstellungen/Sicherheit/Cookies akzeptieren/Niemals bzw. Immer)?
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