7 Erfolgsfaktoren für einen Corporate-Blog
Ein Corporate-Blog ist in meinen Augen eines der besten und preiswertesten Marketing-Tools, die einem Unternehmen zur Verfügung stehen. Doch wer glaubt mit dem Aufsetzen eines Blog-CMS sei es getan, der irrt sich gewaltig. Was also sind die Erfolgsfaktoren?
1. Corporate-Blogs sind Unternehmenskommunikation – gehen Sie es dementsprechend an
Ein Corporate-Blog ist ein Projekt und muss mit Konsequenz geplant, ausgeführt und auf Erfolg geprüft werden wie jedes andere Unternehmensprojekt auch. Sie benötigen dafür einen Projektleiter (wenn Sie es nicht selbst machen können) der mit entsprechenden Kompetenzen und Ressourcen ausgestattet ist. Auch beim Corporate-Blogging gilt: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Steht das Management nicht hinter der Idee und bietet nicht die gebotene Unterstützung, ist der Misserfolg programmiert. Sehen Sie es so: Ein Corporate-Blog ist wie eine Image-Kampagne oder die Einführung eines neuen Produktes. Das würden Sie ja auch nicht einfach so von irgendwelchen Leuten nebenbei machen lassen.
2. Vergessen Sie alles, was Ihnen über Corporate Blogs erzählt wurde
Über Corporate-Blogs wird viel Blödsinn geredet. Da geht es um die junge Zielgruppe, die über herkömmliche Medien nicht erreicht werden kann. Andere behaupten Blogs funktionieren nicht in Deutschland, die Kunden/Leser seien noch nicht so weit. Vorurteile und Halbwissen überall. Das ganze kulminiert dann in solchen Artikeln wie dem in der Süddeutschen Zeitung. Sorry, wenn ein Corporate-Blog nicht funktioniert, dann weil er schlecht gemacht wurde. Punkt!
Dabei ist die Sache ganz einfach:
Sie wollen im Internet sichtbar sein, Sie wollen ihr Unternehmen, ihre Produkte und Dienstleistungen sympathisch und zeitnah darstellen, Sie wollen Ihren Kunden und/oder Mitarbeitern einen Mehrwert bieten, Sie wollen, dass Sie in Google ganz weit vorne stehen? Dann machen Sie einen Corporate-Blog.
Und immer dran denken: „Markets are conversations“ („Märkte sind Gespräche“) und welche Plattform bildet das besser ab, als ein Corporate-Blog?
Eine andere Betrachtungsweise:
Corporate-Blogs sind das Corporate-Publishing der Jetztzeit. Was früher Kunden- und Mitarbeiter-Magazine waren sind jetzt Corporate-Blogs. Sie funktionieren nur viel besser, flexibler, schneller und es müssen wegen ihnen nicht so viele Bäume gefällt werden.
3. Eine Mission haben – wissen was man tut
Was wollen Sie mit Ihrem Corporate-Blog erreichen, welche Message möchten Sie verbreiten? Sie haben die Wahl. Nur tun müssen Sie es!
Grundsätzlich gibt es verschiedene Arten von Corporate-Blogs. Die Bandbreite reicht von „Hier spricht der Chef“ über Produkt-Blogs, Support-Blogs bis hin zu Mitarbeiter-Blogs und Evangelisten- bzw. Knowledge-Blogs in denen führende Köpfe Ihres Unternehmens über Technologien und Forschung schreiben. Dazu kommen noch alle möglichen Mischformen.
Die Funktionen eines Corporate-Blogs können sein: Customer Relationship Management (CRM), Unternehmens-Kommunikation, Investor-Relations, Image-Werbung, Event- und Kampagnen-Unterstützung, Mitarbeitermotivation und vieles mehr.
Legen Sie also vorher die Ziele des Corporate-Blogs fest und wie diese erreicht werden sollen.
4. Ein Corporate-Blogger muss vor allem ein Blogger sein
Mit Sicherheit der kritischste Punkt bei der Einführung und dem Betrieb eines Corporate Blogs ist die Wahl der verantwortlichen und handelnden Personen. Knallhart gesagt: Wer nicht Teil der Blogospähre ist und sich nicht als Blogger versteht hat im Corporate-Blog-Team nichts verloren. Solche Personen können es nur falsch machen, weil ihnen wesentliche Kentnisse der Materie, der Möglichkeiten und der Tools fehlen. Sie wollen ja schließlich ein Ziel erreichen, nämlich einen erfolgreichen Corporate-Blog betreiben, der Ihnen bei der Erreichung Ihrer Unternehmensziele hilft und Ihre bestehenden bzw. potentiellen Kunden erreicht.
Lassen Sie also die richtigen Leute ran. Verlassen Sie sich nicht einfach auf Ihre Oldschool-Marketing- und PR-Leute. Die denken immer noch in den Grenzen der Autorisation und Freigabe. Das ist nichts für einen lebendigen, schnell reagierenden Blog. Zur Not nehmen Sie einen externen Berater bzw. Dienstleister an Bord, der Ihnen bei der Konzeption und Durchführung hilft.
5. Wenn Sie nichts zu sagen haben – dann lassen Sie es sein
Ein Blog lebt durch seine Inhalte. Deshalb lautet das erste Gesetz für Ihren Corporate Blog:
Wir schreiben für den Leser, nicht für uns.
Die Leser eines Corporate Blogs sind bestehende Kunden, potentielle Kunden, Investoren oder Mitarbeiter. Je nach Ausrichtung ihres Blogs.
Corporate-Blogging ist nicht einfach nur Verlautbarung wie in einer Unternehmensbrochüre. Marketing-Bla-bla ist tödlich. Ihr Corporate-Blog muss sich durch Qualität und interessante Themen gegen die Konkurrenz der anderen redaktionellen Angebote im Web durchsetzen. Das geht nur durch interessante Inhalte. Interessant sind Inhalte immer dann, wenn sie entweder einen Nutzwert für den Leser haben, unterhaltsam sind oder beides. Das Problem: Häufig gibt es eine Diskrepanz zwischen dem, was Leser interessant finden und dem, was ein Unternehmen von sich preis geben möchte. Wenn Sie da nicht über Ihren eigenen Schatten springen können, dann lassen Sie es bleiben (siehe auch Punkt 6).
6. Vertrauen statt Autorisierungswut und Freigabeangst
Ihr Corporate-Blog lebt durch interessante Inhalte, Spontanität und Aktualität. Die beiden letzten Punkte stehen im krassen Widerspruch zur hierarchischen Autorisierungsstruktur der meisten Unternehmen. Diesen Knoten müssen Sie lösen. Ihr Blogger schreibt für Ihr Unternehmen. Deshalb muss er genau wissen was die Unternehmensziele sind, wie die Kommunikationspolitik lautet und was er schreiben darf und was nicht. Legen Sie das vorher fest. Im Gegenzug schenken Sie ihm das Vertrauen. Dann klappt es auch mit dem interssanten Corporate Blog.
7. Auch ein Corporate-Blog muss vermarktet werden
Was nützt Ihnen ein (teurer) Corporate-Blog, wenn niemand weiß, das es ihn gibt? Sicher, ab einem bestimmten Zeitpunkt wird ein gut geführter, interessanter Blog zum Selbstläufer. Doch erstens geht es ohne Anschubhilfe nicht und zweitens, wenn Sie schon einen Corporate-Blog haben, dann nutzen Sie ihn auch, in dem Sie bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen, dass es ihn gibt. Setzen Sie die URL in jede E-Mail-Signatur, verlinken Sie ihn von Ihrer Website aus, machen Sie in jedem Printerzeugnis darauf aufmerksam. Diese Direktive muss von oben kommen und deren Einhaltung muss regelmäßig überprüft werden. Sie verschenken ansonsten das billigste Marketing für Ihren Corporate-Blog.
Übrigens: Ich bin fest davon überzeugt, dass sich alle Fehlschläge bei Corporate-Blogs auf die Nichtbeachtung der Punkte 1 und 4 zurückführen lassen!
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Kommentare
[...] Wunder, das bei diesem Blog so ziemlich alles stimmt, denn es wurde meine Regel Nr. 4 beachtet: Hinter Nokia Conversations steckt eine erfahrene Blogger-Manschaft. Einer der Initiatoren [...]
Richard, herzlichen Dank für dieses 7-Punkte-Manifest! Punkt vier halte ich ebenso für den kritischen Faktor bei der Umsetzung von Corporate Blog-Konzepten. Da allerdings niemand als Blogger geboren wird oder wurde, gebe ich jedem eine Chance, es zu lernen.
Es stimmt schon: Niemand kann zum Corporate Blogger gezwungen werden, die Auswahl der Team-Mitglieder ist meist wie die Suche nach den Rosinen im Kuchen. Ein wenig Exhibitionismus darf auch dabei sein – das mindert die Gefahr, dass das Corporate Blog auf dem grossen Blogfriedhof endet.
[...] nicht aus, um ein gutes Businessblog zu haben. Hier sieben Tipps (angelehnt an Richard Joerges von contentXperten) über die Erfolgsfaktoren eines Corporate [...]



http://sinnmacherblog.supersized.org/archives/210-Studienergebnisse-Rezipienten-von-Corporate-Blogs.html
Toller Artikel. Im Link oben finden sich weitere Merkmale, was einen Corporate Blog gut, bzw. v.a. auch glaubwürdig macht.