IDG-Studie zur Mediennutzung

Bei IDG gibt es eine Studie zum Download (PDF), deren Ergebnis ich kritisch hinterfragen möchte. Es geht darum, wie sich Führungskräfte heutzutage informieren. Die Studie hat den Titel „Neue Formen und Möglichkeiten vernetzter Medienmarken“. Das Fazit lautet grob zusammengefasst: Printmedien spielen im Informationsprozess von Entscheidern der IT Branche nach wie vor eine bedeutende Rolle. Das Problem: IDG-Media als Auftraggeber der Studie verdient seine Brötchen zum großen Teil mit Computer- und IT-Zeitschriften. Klar also, dass die Print-Produkte nicht schlecht wegkommen, wenn auch im Zusammenspiel mit dem Internet. Ein Zitat aus der Studie:

Entsprechend haben die Fachzeitschriften gegenüber Online-Medien nichts von ihrer Relevanz eingebüßt. Durch themenspezifisch selektierte Informationsangebote, die objektive Beurteilung und den signifikanten Glaubwürdigkeitsvorschuss sind Fachzeitschriften in Verbindung mit dem Internet die wichtigsten Informationsquellen professioneller Entscheider.

Meine Erfahrungen aus zwanzig Jahren Print-Geschäft (Markt & Technik, Ziff Davis, Süddeutscher Verlag/redtec und Computec) sind andere. Spätestens seit der Verfügbarkeit preiswerter Breitband-Zugänge kämpfen speziell Computer- und Unterhaltungselektronik-Zeitschriften mit sinkenden Auflagen und Anzeigenumsätzen. Der Grund: Viele ehemalige Leser brauchen oder wollen die Printmedien nicht mehr. Sie informieren sich fast ausschließlich im Web.

Der Abwanderungs-Prozess aus den Printmedien ins Web befeuert sich permanent selbst: Weniger Leser bedeutet weniger Anzeigenumsatz. Das führt dazu, dass weniger Geld für die Redaktion zur Verfügung steht. Viele Verlage reagieren darauf, in dem Sie die Redaktionen verkleinern, wodurch die Qualität sinkt, da jeder Redakteur nun mehr Seiten verantworten muss. Ebenfalls zu Qualitätseinbußen führt, dass man teure und damit gute Redakteure und Autoren durch billige Jungredakteure, Volontäre und schlecht ausgebildete Autoren ersetzt. Gleichzeitig werden die Hefte häufig dünner und/oder die Preise höher weil die Relation Heftumfang/Anzeigen nicht mehr stimmt. Wenig hilfreich ist ausserdem, dass die meisten Verlage nach massenkompatiblen Themen gieren aber die kompetenzfördernden und nachhaltig wirkenden, weil fachlich hochwertigen und gut recherchierten Themen, auslassen. Das alles führt zu IT-Zeitschriften, die in vielen Fällen im Verhältnis zum Gebotenen zu teuer sind und qualitativ die Kernzielgruppe nicht überzeugen können.

Das bedeutet: Online-Informationsquellen sind nicht nur schneller, vielfältiger und kostengünstiger, sie gewinnen auch gegen die Printkonkurrenz weil diese sich in vielen Fällen durch schlechte Qualität und hohe Preise selbst obsolet macht.

Es bleibt also die Frage: Wie erreichen Content-Hersteller und Werbetreibende ihre Zielgruppe? Sicher, das Medium Print ist nach wie vor eine Option. Aber ich bin der Meinung, speziell im IT-, TK- und Unterhaltungselektronik-Bereich erreicht man die Kern-Zielgruppe, also die echten Entscheider, Hardcore-Konsumenten und themenaffinen Leser vor allem über qualitativ hochwertigen Web-Sites.


Falls Sie diesen Beitrag kommentieren wollen, können Sie dies jetzt tun oder den RSS-Feed abonnieren, um somit künftige Beiträge in Ihren RSS-Reader geliefert zu bekommen.

Kommentare

Ich bin absolut bei Dir. Es wird hammerhart für die Fachzeitschriften. Viel Leid in Sachen Gewinnverlust ist allerdings auch hausgemacht, denn die teuren Beilagen wie CDs und DVDs sind mittlerweile vom Gimmick über den Standard zum Muss geworden, um bestehen zu können. Und das kostet ein dicks Stück “rentable Auflage”.

Kommentar hinterlassen

(erforderlich)

(erforderlich)